meine stimme

Als Kind war die Stimme für mich selbstverständlich, wie auch das Singen. Also nichts, was man lernen oder üben müsste – ganz im Gegensatz zu meinen beiden anderen Instrumenten, Klavier und Posaune, die mir an vielen Stellen schier unbezwingbar schienen.

Als ich dann das Posaunenspiel studierte und die einstige verspielte Herangehensweise an die Musik immer mehr mit Druck und Leistung verknüpft wurde, nahm ich das Singen als eine Art Ausgleich, eine Insel für mich, um meine Musik wieder befreiter auszudrücken. Ich begann in Bands zu singen und auch eigene Projekte zu gründen, in denen ich singen konnte. Immer mehr vernachlässigte ich mein Studium, um mich meinen Gesangsprojekten zu widmen, bis ich dann irgendwann feststellen musste, dass ich nur noch auf dem Papier (und in Lebensläufen) Posaunistin und eigentlich schon längst Sängerin war.

Nachdem ich (der Ordnung halber) mein Musikstudium mit der Posaune abgeschlossen hatte, legte ich sie erstmal komplett zur Seite, um mich dem Phänomen Stimme zu widmen, denn der Leistungsdruck und die existenziellen beruflichen und persönlichen Krisen hatten Spuren im Körper und in meiner Stimme hinterlassen. Im Laufe des Jahres 2003 konnte ich kaum mehr zwei Sätze singen ohne Heiserkeit und Schmerzen, die ich dann mit Druck versuchte zu kompensieren. Ein Teufelskreis, der in einer Stimmfunktionsstörung endete.

2004 kam ich zu einer Karlsruher Logopädin, die nach der Lichtenberger Methode arbeitete und noch arbeitet. Nach 20 Stunden mit ihr entwickelte die Stimme so viel Klang, dass ich es kaum fassen konnte und unbedingt mehr erfahren musste. Ende 2004 besuchte ich das Einführungsseminar am Lichtenberger Institut im Odenwald und seither nimmt alles seinen Lauf und ich überlasse der Stimme ihren eigenen Prozess. In diesem wird sie immer weiter, offener, freier, tiefer, bewusster und wieder selbstverständlicher. Die Gründerin des Institutes, Frau Gisela Rohmert, nannte die Stimmentwicklung mal eine „progressive Regression“.  Ich übersetze das für mich als „bewusstes Fortschreiten zurück zur einstigen kindlichen Selbstverständlichkeit“.
 
Doch hört selbst...