Die Entwicklung des Stimmklangs

Montag, 05 September 2016 06:09

Üben – der Umgang mit sich selbst.

Die meiste Zeit beim Erlernen eines Instrumentes oder Entwickeln der eigenen Stimme verbringt man mit sich selbst. Irgendwo hat man mal gehört, dass man üben muss – am besten noch viel üben. Doch was heißt das überhaupt, wer bestimmt wann, was, wie und wie viel geübt wird? Die Musik? Der Lehrer oder die Lehrerin? Man selbst? Die vorhandene Zeit? Das angepeilte Ziel?

Nimm Dir einige Minuten Zeit und überlege, was du mit dem Wort Üben verbindest?

Ist es eher Leistungszwang, der dann bei Erfolg belohnt wird und bei Misserfolg bestraft oder ist es die Selbstbeschäftigung, ein Zeitfenster, in dem man sich auf sich konzentriert, auf die Musik, das Instrument, die Stimme, die eigene musikalische/stimmliche/instrumentale Entwicklung?

Im Sinne der Lichtenberger Methode bedeutet Üben nichts anderes als die Schulung der eigenen Wahrnehmung, hauptsächlich die Wahrnehmung des Klanges im Körper und der darauf folgenden Gedankenmuster, Empfindungen und Veränderungen (körperlich, klanglich, geistig und emotional).

Denn wie gehe ich mit mir um?

Peitsche ich mich, dränge ich mich, bestrafe ich mich, trickse ich mich selbst aus? Oder höre ich auf meine Körperintelligenz oder meine Intuition, auch beim Üben?

Um eine positive Entwicklung der Stimme zu fördern ist eine ressourcenorientierte und wertschätzende Haltung und Vorgehensweise Schritt für Schritt einzunehmen. Im Gegensatz dazu steht eine defizitorientierte, bewertende und vergleichende Haltung sich und natürlich auch anderen gegenüber. Der Zugang zu sich selbst wird mit Fragen geebnet um an der Motorik (Muskelspannungen, ausgelöst z.B. durch: du musst!) vorbei, die Freiwilligkeit und Einfachheit (vegetatives Nervensystem) mit Hilfe von Stimulationen (z.B. Ohren zuhalten) erfahrbar zu machen.

Das Ziel ist nach und nach sein eigenes Üben zu entwickeln: kreativ, schöpferisch und einfach mit großer Wirksamkeit. So wird das Üben ein eigenständiger Prozess während der musikalischen/stimmlichen/instrumentalen Weiterentwicklung, der zu Beginn stärker von außen inspiriert wird (Lehrer oder Lehrerin) und im Laufe der Zeit immer selbstständiger und individueller wird.